„Bei der Bleibeperspektive handelt es sich um eine bürokratische Kategorisierung, die im Widerspruch zur individuellen Prüfung von Fluchtgründen steht. Sie schafft Ungleichheiten zwischen Geflüchteten und schränkt Integration ein“, argumentiert Simone Christ, Autorin des BICC Policy Briefs. Sie empfiehlt der Bundespolitik, die Selektion in Menschen mit „guter“ bzw. „schlechter“ Bleibeperspektive einzustellen und allen Geflüchteten von Anfang an Zugang zu integrationspolitischen Maßnahmen gewähren.

 

 

 

„Die Integration geflüchteter Menschen in den Bereichen Sprache und Arbeit ist von zentraler Bedeutung“, hebt die Autorin hervor. Insbesondere die 2016 beschlossene Wohnsitzauflage scheint Arbeitsmarktintegration zu behindern. Restriktionen beim Familiennachzug wirken sich negativ auf Integration aus, da sie vielfältige materielle wie psychische Belastungen für die betroffenen Menschen schaffen. „Die Länder sollten sich auf der Bundesebene dafür einsetzen, die Einschränkungen des Familiennachzugs abzubauen“, empfiehlt Simone Christ.

„Auch die Wohnsituation ist ein wesentlichen Integrationsfaktor“, unterstreicht die Forscherin. Eine Unterbringung in Wohnungen bzw. abgeschlossenen Wohneinheiten ist Gemeinschaftsunterkünften vorzuziehen. „Das Land Nordrhein-Westfalen und andere Bundesländer müssen an ihrer Politik festhalten, keine AnkER-Zentren einzurichten, da diese die Bewohner isolieren, zu Konflikten führen und der Integration entgegenstehen“, lautet ihre Empfehlung.

In ihrem Fazit betont die Forscherin, dass grundsätzlich Integration Teilhabe für alle Menschen bedeuten sollte: „Soziale Maßnahmen dürfen nicht nur Geflüchteten offenstehen, sondern müssen auch die Bedarfe der Nachbarschaft in Blick nehmen. Auch die Arbeitsmarktpolitik sollte inklusiv sein und sowohl Geflüchtete als auch andere sozial Schwache ansprechen.“

Die Empfehlungen von BICC Policy Brief „Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration Geflüchteter: Sprachkompetenz, Wohnen, Arbeit, gesellschaftliche Teilhabe“ beruhen auf den Forschungsergebnissen einer qualitativen Studie zu den Integrationsprozessen geflüchteter Menschen in Nordrhein-Westfalen. Grundlage der fast zweijährigen Feldforschung waren Experteninterviews, Interviews mit Geflüchteten und teilnehmende Beobachtung in einer Unterkunft für Geflüchtete. Dabei wurden die Erfahrungen von Menschen, die schon vor 20 bis 40 Jahren nach Deutschland geflohen sind, mit denen von Menschen, die seit 2014 ankamen, in Beziehung gesetzt.

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