Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte WaterReTUNe-Projekt,das erfolgreich die Wiederverwendung salzhaltiger Kläranlagenabläufe zur Nahrungsmittelproduktion demonstrierte, hat den ersten Preis im tunesischen Innovationswettbewerb in der Kategorie „Kooperationsprojekte“ gewonnen. Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie, an der die Ministerin für Wirtschaft, Fatma Thabet Chiboub, der Minister für Wissenschaft, Moncef Boukthir, sowie der deutsche Botschafter, Peter Prügel, teilnahmen, hatte der tunesischer Projektkoordinator Hamza Elfil die Ehre, den renommierten Preis entgegenzunehmen.Aufgrund des Bevölkerungswachstums, des Klimawandels und der damit einhergehenden Verschlechterung der Wasserqualität wird es für Tunesien und andere Länder der Maghreb-Region immer schwieriger, den Bedarf an Süßwasserressourcen für die Landwirtschaft und die Lebensmittelverarbeitung zu decken. Daher war es dringend erforderlich, Konzepte zu entwickeln, die eine umfassende und diversifizierte Nutzung des großen Potenzials der Abwasserwiederverwendung auf solide, sichere und nachhaltige Weise ermöglichen.

Übersicht der Demonstrationsanlage an Groupement de Développement Agricole (GDA) Sidi Amor in Tunis, Tunesi-en. © FiW e. V.

Im Rahmen des WaterReTUNe-Projekts gelang es tunesischen und deutschen Wissenschaftlern gemeinsam, durch weitergehende Abwasserbehandlung mittels naturnaher Verfahren und Teilentsalzung, das Abwasser von fünf Kläranlagen so aufzubereiten, dass es bedenkenlos zur Nahrungsmittelproduktion wiederverwendet werden kann. Einige der entwickelten Verfahren, wie z.B. die Verwendung eines modifizierten Bodenfilters, berücksichtigen kulturelle Randbedingungen und steigern so die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Verwendung von gereinigtem Abwasser in der Landwirtschaft.

Ein umfangreicher Versuchsanlagenkomplex wurde im Herbst 2021 auf dem Gelände der Groupement de Développement Agricole (GDA) Sidi Amor aufgebaut und in Betrieb genommen. Dabei kam eine Prozesskette bestehend aus naturnahen Verfahren, sog. Nature Based Solutions (NBS) und einem kombinierten Membransystem aus Nanofiltration (NF) und Umkehrosmose (RO) zum Einsatz, um das teilentsalzte Reuse-Abwasser für Bewässerungszwecke zu produzieren. Gleichzeitig wurden Behandlungsansätze zur Nährstoffrückgewinnung aus der Salzlake zum Halophytenanbau erprobt sowie eine kreislaufgeführte Low-Tech-Aquaponik-Produktionsfläche bewirtschaftet.

Neben der technischen Demonstration der Wasserwiederverwendung konnte auch gezeigt werden, dass die spezifischen Aufbereitungskosten des Abwassers gute Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Anwendbarkeit des Konzepts in größerem Maßstab darstellen.

Erntereifes Basilikum, das in der Aquaponik-Anlage durch das aufbereitete Abwasser produziert wurde. © FiW e. V.

Die Auszeichnung des tunesischen Ministeriums für Industrie mit dem nationalen Innovationspreis der Agentur zur Förderung von Industrie und Innovation ehrt das FiW sehr und unterstreicht den Innovationsgeist und das Engagement des Projektteams, mit dem länderübergreifenden Ziel, nachhaltige Lösungen voranzutreiben.

Das Projekt WaterReTUNe ist gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung innerhalb der Richtlinie zur Förderung von Forschungsprojekten mit Tunesien unter der Beteiligung von Wissenschaft und Wirtschaft (2+2), Förderkennzeichen 01DH19021A.

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Hier geht es zur Aktuelles-Meldung vom FiW e.V.: https://www.fiw.rwth-aachen.de/aktuelles-veranstaltungen/aktuelles/waterreuse-projekt-waterretune-gewinnt-ersten-preis