Die JRF-Geschäftsstelle freut sich über Verstärkung: Frau Dr. Larissa Balduin-Philipps hat zum 1. Februar 2022 die neu geschaffene Stelle für Forschungskoordination & PR angetreten. Im JRF-Interview stellt die promovierte Neurolinguistin sich und erste Planungen vor.

Dr. Larissa Balduin-Philipps, Forschungskoordination & PR

Willkommen in der JRF! Wir freuen uns, Sie seit Februar 2022 zum Team zählen zu dürfen! Ihr bisheriges Fachgebiet ist die Neurolinguistik – was muss man sich darunter vorstellen?

Die Neurolinguistik ist ein Gebiet, das hauptsächlich in der Linguistik liegt, aber an ganz viele Forschungsbereiche wie die Medizin, die Biologie oder die klinische Linguistik angrenzt. Grob zusammengefasst beschäftigt sich die Neurolinguistik vor allem mit den Fragestellungen „Was passiert im Gehirn, wenn wir sprechen? Welchen Veränderungsprozessen unterliegt das Gehirn im Laufe des Lebens? Was passiert neurophysiologisch, wenn Menschen nicht mehr sprechen können?“. Es ist ein sehr vielfältiger und interdisziplinärer Fachbereich.

Welche Erfahrungen haben Sie durch dieses Umfeld in der wissenschaftlichen Organisation und Kommunikation gesammelt?

Ich habe während des gesamten Studiums parallel gearbeitet und in der Uni ausgeholfen.  Beispielsweise habe ich im Master im Sonderforschungsbereich „Alignment in communication“ der Uni Bielefeld Projekte unterstützt und während meiner Promotion Kurse gegeben. In der Graduiertenschule des Excellenzclusters „Kognitive Interaktionstechnologien“, bei dem ich ein Stipendium hatte, war ich gewählte studentische Vertreterin. Wir haben CITEC Retreats mitorganisiert und haben uns für die Belange der DoktorandInnen in der Graduiertenschule eingesetzt.

Die koordinative Arbeit liegt Ihnen also schon eine Weile. Jetzt sind Sie komplett in die Forschungskoordination und die Schnittstelle PR gewechselt. Weshalb ist aus Ihrer Sicht das Feld im Allgemeinen so relevant für die Forschung?

Ich glaube, was bei den meisten Forschungsprojekten oft zu kurz kommt, ist, dass Forschungsergebnisse in einem sehr kleinen Radius veröffentlicht werden. Diese Veröffentlichungen lesen in der Regel weltweit hauptsächlich ForscherInnen aus demselben oder angrenzenden Fachbereich, die Informationen gezielt suchen und für ihre Arbeit brauchen. Es macht sehr viel Sinn, dieses Wissen stärker zu vernetzen und es nicht nur in die Wissenschaft, sondern auch nach außen zu tragen – in die Gesellschaft, Wirtschaft und Politk. Außerdem, wenn man für sich allein forscht, deckt man nur ein kleines begrenztes Gebiet ab. Wenn man aber in Kooperationen forscht, wird eine viel größere Bandbreite an Informationen generiert.

Was reizt Sie daran, sich nun bei der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft einzubringen und wo sehen Sie das Potential der JRF?

Gerade bei der JRF ist ein sehr guter Grundstein gelegt, Forschung zu betreiben, die sehr gesellschaftsrelevant ist. Das Wissen, das die Fachleute haben, auch so zu verknüpfen und zu vernetzen, dass ein Mehrwert entsteht, ist nicht selbstverständlich. Das kostet viele Ressourcen, die ein Institut in der Regel allein nicht hat. Wenn jemand da ist, der schaut, wo es Schnittstellen gibt, und der die Kapazität hat, den Überblick zu behalten, was die verschiedenen Akteure machen, ist es für die Forschenden ein Mehrwert. Sie können sich leichter vernetzen, Projekte planen und Drittmittel einwerben. Ich hatte Freude am Forschen, aber es hat mir gefehlt, die Umsetzbarkeit und den Nutzen der Forschung für die Allgemeinheit zu sehen. Die JRF gibt mir die Möglichkeit, Forschung öffentlichkeitswirksam nach außen zu tragen und das reizt mich. Wir sehen momentan, wie wissenschaftskritisch ein Teil der Gesellschaft geworden ist. Man muss in der Lage sein, die Dinge auch verständlich und im richtigen Format an den Mann und an die Frau zu bringen, damit die breite Öffentlichkeit nicht den Eindruck hat, da sitzen Leute im Elfenbeinturm.

Welche Eindrücke haben Sie in Ihren ersten Wochen bei der JRF gesammelt, wo liegt das Potential der Forschung in den JRF-Instituten?

Ich sehe die Fülle an aktueller Forschung, die in den Instituten der JRF stattfindet, zu Klima, zu Konfliktforschung, die Umsetzung von neuen Technologien. Ich finde es sehr spannend nun mit diesen Bereichen in Kontakt zu kommen. Beispielsweise habe ich einige der Leitthemensprecher bereits kennengelernt und ich arbeite mich weiterhin in die vier Leitthemen der JRF „Städte & Infrastruktur“, „Industrie & Umwelt“, „Gesellschaft & Digitalisierung“ und „Globalisierung & Integration“ ein.  Insbesondere die Netzwerktreffen sind eine ausgezeichnete Möglichkeit für die WissenschaftlerInnen und ForschungskoordinatorInnen in den Instituten, sich kennenzulernen und zu vernetzen. Hintergrund ist natürlich, dass die Themenbereiche in den nächsten Jahren noch präsenter werden. Beispielsweise im Bereich Städte & Infrastruktur sind ganz klare Kernthemen wie Klimaanpassung und Starkregenschutz vertreten. Hierzu haben teils bereits Veranstaltungen stattgefunden oder sind in Planung. Jedes der Leitthemen adressiert brandaktuelle Fragen, die in den nächsten Jahren beantwortet werden müssen. Da sehe ich meine Aufgabe darin, Veranstaltungen zu planen, wo Forschungsergebnisse diskutiert werden, und weitere Vernetzung entsteht. Natürlich wird es weiterhin öffentliche Veranstaltungen geben, bei welchen auch interessierte BürgerInnen kommen können. Die Idee ist, dass durch die Zusammenarbeit weitere Forschungskooperationen aus mehreren Instituten entstehen. Hier ist meine Aufgabe zu schauen, wie wir unsere Kernkompetenzen bestmöglich fördern und die nötigen Mittel einwerben können.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich organisiere wirklich gerne! Das muss ich ausdrücklich sagen. Das habe ich schon früh im Studium gemerkt, damals an eigenen Projekten. Jetzt Projekte für andere zu planen, und dabei zu wissen, dass ich damit anderen WissenschaftlerInnen helfe, darauf freue ich mich. Jemanden zu haben, an den man sich wenden kann, der organisiert und Aufgaben abnimmt, das hätte ich mir in meiner eigenen Forschung auch gewünscht. Ich freue mich darauf, viele Gesichter der JRF kennen zu lernen und die Institute nach und nach zu besuchen, um einen persönlichen Eindruck zu bekommen. Jede und jeder, der Fragen oder Input, vielleicht schon Ideen für Projekte oder Veranstaltungen hat, kann diese gerne schon an mich herantragen!

Kontakt zur Forschungskoordination & PR der JRF:

Larissa Balduin-Philipps
Tel: 0211 994470-69
Mobil: 0176 55699072
E-Mail: [email protected]

Das Interview wurde geführt von Wiebke Schuppe.